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Im Juni hat die Stimmbevölkerung mit drei Fünftel Ja-Stimmen-Anteil das Klima-und Innovationsgesetz befürwortet, welches das Netto-Null-Ziel zum Gegenstand hat. Bis Mitte des Jahrhunderts soll eine ausgeglichene Treibhausgasbilanz erreicht werden. Damit wird den Postulaten des Weltklimarates gegen die Erderwärmung entsprochen. Die Schweizerische Post will dieses Ziel schon 2040 erreichen. Der Ausstoss an Treibhausgasen soll entsprechend vermindert werden. Damit seien aber nur 90 Prozent des gesetzten Ziels zu erreichen, teilte die Post mit. Der Rest müsse mit Massnahmen bewältigt werden, die der Atmosphäre die entsprechende Menge des Treibhausgases entziehen. Der Pflanzendecke der Erde wird diese Eigenschaft in unterschiedlichem Masse zuerkannt. Man könnte sich überlegen, ein Stück Wüste zu erwerben, dieses zu bepflanzen und sich das, was die Pflanzen an CO2 abbauen, in der unternehmenseigenen Ökobilanz anrechnen lassen. Allerdings könnte es sein, dass die Umweltschäden (Wasserhaushalt etc.) grösser sind als der angestrebte Nutzen.

Der Gelbe Riese fühlte sich schlauer: Er kaufte von einem sächsischen Hochadeligen in Ostdeutschland ein Stück Wald in der Grösse der Gemeinde Zug (2400 Hektaren) und lässt sich das, was der Wald, der 40 Jahre DDR-Raubbau hinter sich hat, mutmasslich der Atmosphäre an Treibhausgasen entzieht, am eigenen Netto-Null-Ziel anrechnen.

Beim aktuellen Geschäft fiel vor allem der Preis auf. Fachleute schätzten ihn auf den stolzen Betrag von 10 Millionen Euro. Die wahre Summe betrug aber über 60 Millionen Euro, wie die «Schweiz am Wochenende» herausfand. Wer sich ein solches «Geschäft» leisten kann, dem sei es nicht verwehrt, sofern er sein eigenes Geld aufs Spiel setzt. Die Post aber verwaltet Kapital der Eidgenossenschaft und nimmt die laufenden Mittel mittels Gebühren ein, die sie für den vielbeschworenen «Service public» verlangt. Dass sie seitens der Eigentümerin die Zustimmung zu solchem Geschäftsgebaren bekommen habe, erstaunt. Die Branche schätzt den Ertrag des Waldes bei Eigenbewirtschaftung auf ein bis fünf Prozent. Da die angelegte Summe sechsmal höher ist als der Marktpreis, wird auch der Ertrag sechsmal kleiner sein.

Andere Grossunternehmen mit offenbar überlaufender Kasse werden den Schachzug nachahmen. Wälder bekommen damit eine ganz andere Bedeutung: Sie dienen dem «Freikauf» in der ökologischen Verpflichtung. Die Post kann sich überlegt haben, die Waldpreise könnten in Anbetracht des ökopolitischen Druckes, der auf den Unternehmungen lastet, in ungeahnte Höhen schiessen, so dass der jetzt bezahlte Preis zu einer Petitesse zusammensacken werde. Hat solch hochspekulatives Gedankengut Platz in der Geschäftspolitik der eidgenössischen Post?

Hat man sich beim Gelben Riesen je überlegt, was ein solches Marktverhalten im von Extremen bedrohten Thüringen (AfD 33%, Linke 21% Zustimmung) stimmungsmässig und politisch auslöst? Es kann von den Ostdeutschen nur als postkoloniale Gebärde, als «Herr-im-Haus»-Verhalten, aufgefasst werden, zumal nicht auszuschliessen ist, dass der Preis deshalb so hoch stieg, weil man damit die Ausübung der Vorkaufsrechte des Bundeslandes und der Gemeinden verunmöglichen wollte.

Bei uns jedenfalls fördert es die Staatsverdrossenheit und die Inakzeptanz der öffentlichen Gebühren. Warum sollen die Bezahlerinnen und Bezahler der Postgebühren mehr entrichten, wenn die Anstalt über 60 Millionen einer harten Währung ausgeben kann zu einem Zwecke, der keiner ist? Zumal kein Gramm weniger CO2 in der Luft schwirren wird als jetzt. Zertifikatshandel mit Holz entpuppt sich bei näherem Zusehen als Scheinlösung. Zwar stimmt es, dass der Wald im Wachstum Kohlenstoff bindet. Er legt ihn in seinem Holz an. Aber weder wächst er ewig, noch bindet er den Kohlenstoff auf immer. Irgendwann stellt der Baum sein Wachstum ein und geht den Weg aller Lebewesen: er stirbt. Der Verzicht auf eine Nutzung des Waldes reduziert die übersteigerte Nachfrage nach Holz nicht. Es wird stattdessen importiert: Bäume, die in der Schweiz oder in Westeuropa nicht geschlagen werden, fallen in Übersee. Für das Weltklima ist das Ganze ein Nullsummenspiel.

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