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Ein Herz mit rotem Faden, Napfmilch, Schwizerörgeli und eine Sorge: Das war Tag 7 meiner Velotour

Ein weiterer sonniger Spätsommertag ist angesagt. Der vierte Tag im Wahlkreis Willisau wird sicher wieder anstrengend sein; er wird mich von Ettiswil nach Ufhusen und dann ins Napfgebiet nach Luthern und Hergiswil bei Willisau führen.


Ich habe in den letzten Tagen immer wieder nach einem Spruch, ja nach einem Motto für meine Tagesausflüge gesucht. Heute wurde ich auf dem Weg nach Ettiswil, auf Höhe Mauensee, fündig. Mit noch mehr Demut betrachte ich nun nicht nur meine heutige Etappe, sondern auch den möglichen Weg nach Bern


Und dann die erste Überraschung: Reto Lütolf, Ortsparteipräsident (rechts) lädt beim Busbahnhof zum Znüni ein. Mit dabei sind Esther Boog, Sarah und Andreas Dietz sowie Simona Scheiber.


Was will man mehr? Es wird gleichzeitig auch noch Werbung für Damian, unseren Ständerat, gemacht.


Alles wird aus dem Auto gezaubert: Tee, Kaffee und Süssigkeiten. Dank Reto, Elektroingenieur bei der CKW (im Hintergrund), erfahre ich einiges über den heutigen Strommarkt, der wie eine Börse gehandhabt wird.





Vor der Weiterfahrt übergibt mir Reto einen Herzschlüssel, der mir Glück und Erfolg bringen soll, mit einem roten Faden für die politische Zukunft.


Der Weg führt danach über Zell nach Ufhusen, nicht weit von der Grenze zum Kanton Bern. Gemäss einer wissenschaftlichen Untersuchung soll Ufhusen die sonnigste Gemeinde des Kantons Luzern sein. Heute kann ich es noch nicht bestätigen: Es ist überall viel Sonne vorhanden. Die Landschaft leuchtet in spätsommerlichen Farben.


Treffpunkt ist beim Kirchplatz. Eine ganze Gruppe empfängt mich sehr herzlich, angeführt von Fritz Bösiger, Ortsparteipräsident, ehemaliger Kantonsrat und ehemaliger Sozialvorsteher in Ufhusen, gegenwärtig Präsident der reformierten Synode. Als kurzfristig einberufener "Hof-Fotograf" hält er mein Eintreffen fest.


Zusammen gehen wir durch das Dorf bis zur Fridli Buecher-Halle. Fridli Buecher, ein Ufhusener Landwirt, ist das Symbol für den bäuerlichen Widerstand gegen die Willkür der Obrigkeit. Mit einer Gruppe von Bauern lief er 1653 nach Luzern, um den Protesten ein Gesicht zu geben. Er wurde verhaftet und starb als Märtyrer, an dem die Regierenden ein Beispiel statuieren wollten.


Es folgt ein gemütliches Beisammensein mit Mittagessen in der Chrüz-Schüür, in der neuen Dorfattraktion, die vor knapp einer Woche eröffnet wurde. Sie soll als neue "Stamm-Beiz" u.a. für die Vereine zur Verfügung stehen. Die Gemeindepräsidentin Claudia Bernet-Bättig (1. von rechts) und Gemeinderätin Renate Gerber-Schär (2. von rechts) geben mir die Ehre. Fritz Bösiger mit Ehefrau (links vorne), Walter Einiger, ehemaliger Kantonsrat mit Ehefrau (rechts hinten) regen spannende politische Gespräche an. Das feine Essen wurde von Hildi Meier vorbereitet.

Nach diesem heiteren Treffen an einem Ort, an dem ich gerne länger verweilen würde, muss ich nach Luthern über Lochmühle fast schon sprinten. Dort wartet nämlich Heinrich Walthert, der ehemalige Gemeinderat, auch mich. Heinrich erzählt mir etwas Geschichtliches über Luthern, aber auch von der modernen Entwicklung mit der flächendeckenden Ausrüstung jedes einzelnen Hauses und Hofes mit Glasfaser-Kabeln.


Meine Tour führt mich dann über einen kleinen Grat nach Hergiswil bei Willisau; es ist Zeit für einen letzten Blick zurück nach Luthern.


Ich geniesse die einmalige Landschaft im Norden des Napfes mit ihren sanften Hügeln. Darum frische ich meine geologischen Kenntnise auf und lese: Der Napf besteht aus Gesteinsschichten, die von mächtigen Flüssen aus den Alpen am nördlichen Alpenrand abgelagert wurden. Diese Flüsse führten oftmals viel Geröll mit sich, weshalb der Napf zur Hauptsache aus Nagelfluh aufgebaut ist, einem Konglomerat aus gerundeten Gesteinsblöcken unterschiedlicher Grösse, die mit einem Bindemittel (Kalk, Sand und Ton) zu einem zusammenhängenden Gestein verfestigt sind. Zwischen den Nagelfluhschichten sind auch feinkörnige Sandsteinschichten eingelagert.


Auf der anderen Seite der Anhöhe liegt Hergiswil bei Willisau, das Kräuterdorf am Napf, die letzte Station meiner heutigen Tagestour.


Was für einen Empfang!! Der Ortsparteipräsident Anton Wermelinger hat eine ganze Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern eingeladen, darunter Urs Kiener, Gemeindepräsident, Pius Hodel, Gemeindeammann, und Matthias Kunz, Gemeindeschreiber. Urs stellt sein Dorf vor und beschenkt mich mit dem Buch zum 800. Jahrestag von Hergiswil.


In der Zwischenzeit sind Remo und Silvan Zangger mit ihrem Handörgeli aufgetaucht. Auf dem Gemeindeplatz beim Brunnen für Seppi a der Wiggere spielen sie uns ein Ständli mit viel Schwung. Ich bin begeistert!


Wir fahren anschliessend gemeinsam zur neuen Napfmilch AG, einem lokalen, innovativen Unternehmen, das etwas südlich von Hergiswil liegt, wunderschön in die Hügellandschaft eingebettet.


Daniel Erni, der Geschäftsleiter, führt uns durch die Produktionsstätte für Milch, Yoghurt, und Frischkäse. Hier werden jährlich 4.5 Mio Liter Milch verarbeitet. Die Frischprodukte werden vor allem an Coop, der Migros und einigen lokalen Betrieben verkauft. Dass es den lokalen Betrieben gelungen ist, sich mit vereinten Kräften in den Markt einzubringen, finde ich vorbildlich - eine starke Leistung!


Hier ein ausgewähltes Sortiment: Im Vordergrund die Frischkäse mit Kräutern aus dem Dorf und vom Menzberg.


Beim anschliessenden Aperitif gesellen sich Renate Ambühl, Gemeinderätin, und Verwaltungsrätin der Napfmilch AG zu uns. Wir geniessen einen herrlichen Sommerabend. Nach den unzähligen Kilometern hügelaufwärts, hügelabwärts bin ich froh, dass ich nun ein wenig rasten kann.


Gegen 18 Uhr 30 wird es Zeit, aufzubrechen. Es liegt ein wunderschöner Tag hinter mir mit vielen Erinnerungen an liebenswürdige Menschen, aber auch unverkennbare Landschaften.

Der Tag wäre ja beinahe idyllisch gewesen, hätte mein Handy nicht gegen 19 Uhr geklingelt. Ich erfahre von einem jungen Notfallarzt, der gerade zu meinen Eltern gerufen wurde, dass es meinem betagten Vater nicht gut geht. Ich entscheide (blitzschnell wie bei einer Herzoperation), mein Velo am Bahnhof Luzern zu parkieren und fahre unverzüglich in die Westschweiz.


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