Medizin & Humanität

Inselspital, Herz- und Gefässchirurgie

Als Maximalversorger bietet die Universitätsklinik für Herz- und Gefässchirurgie (Direktor: Prof. Dr. Dr. Thierry Carrel) alle etablierten Therapiemöglichkeiten an. In der medizinischen Versorgung bietet sie nachhaltig exzellente Leistungen an. In Forschung und Wissenschaft geniesst sie nationale und internationale Anerkennung.

Herzchirurgische Schwerpunkte sind die koronare Bypasschirurgie, insbesondere die komplett arterielle Revaskularisation, die Klappenchirurgie mit klappenerhaltenden Rekonstruktionsverfahren (minimalinvasiv, wenn geeignet), die Therapie des gesamten Spektrums angeborener Herzfehler, die thorakale Aortenchirurgie, die Rhythmusschirurgie, die Herzinsuffizienzchirurgie, die Herztransplantation und Kreislaufunterstützungssysteme. Die Implantation von Transkatheter-Aortenklappen ist ein fester Bestandteil der Interventionen - dank der eingespielten Zusammenarbeit mit Kardiologie und Kardioanästhesie.

Die Universitätsklinik für Herz- und Gefässchirurgie am Inselspital ist das grösste gefässchirurgische Zentrum der Schweiz. Wesentliche Schwerpunkte der Gefässchirurgie sind die Behandlung von Verengungen der Halsschlagadern, die Behandlung von thorakoabdominalen und abdominalen Aneurysmen, Verschlussprozesse der Becken- und Beingefässe sowie die Zugangschirurgie für Dialysepatienten. Für die Aneurysmatherapie stehen auch Stentprothesen zur Verfügung, die über die Leiste vorgeschoben werden.

Die Klinik hat sich zum Ziel gesetzt, in allen medizinischen Belangen als zuverlässiger Partner aufzutreten. Es das erklärte Ziel, durch individuelle, kontinuierliche Betreuung die bestmögliche Lebensqualität für die Patientinnen und Patienten zu erreichen.

Die heutigen modernen herzchirurgischen Verfahren entwickeln sich kontinuierlich weiter. Eingriffe bei Säuglingen mit komplexen angeborenen Herzfehlern sind auch künftig in der Herzchirurgie ebenso an der Tagesordnung wie Herzoperationen bei über 80-jährigen Patienten, Herztransplantationen oder der Einsatz von mechanischen Unterstützungssystemen (Kunstherzen). Die zunehmend knappe Verfügbarkeit von Spenderherzen trotz intensiver Information der Bevölkerung beschleunigt den Trend zu Herzunterstützungssystemen als langfristige Alternative zur Herztransplantation.

Einer der gegenwärtigen und künftigen Schwerpunkte ist die Behandlung angeborener Herzfehler. Die Gruppe der jungen Erwachsenen mit angeborenen Herzfehler, die ein Operation benötigen, wird immer grösser. Die Gründung eines Zentrums für angeborene Herzfehler am Inselspital im Jahr 2011 setzt hier den Akzent auf eine unmittelbare Versorgung von Patienten interdisziplinär auf einem gemeinsamen Campus.

Zukünftig gilt es, die Ergebnisse weltweiter Studien, wie etwa der Syntax-Studie zu beachten: Danach ist die Bypass-Operation die Standardbehandlung der koronaren Herzkrankheit bei Befall aller drei Gefässe, bei Hauptstammstenose und bei komplexer koronarer Anatomie. Die Schlussfolgerung der Syntax-Studie deckt sich mit den Angemessenheitskriterien, die von vielen Fachgesellschaften (ACCF/SCAI/STS/AATS/AHA/ASNC) anerkannt wurden.

Chancen und Risiken von Herzoperationen bei älteren Menschen werden zukünftig noch individueller beurteilt werden. Insbesondere müssen mögliche neurologische Folgen einer Herzoperation, wie etwa das Risiko eines Schlaganfalls, sehr genau beurteilt werden. Der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine birgt Risiken, die durch eine konsequente Anwendung der miniaturisierten extrakorporellen Zirkulation minimiert werden können. Eine Reduzierung der Risiken sehen manche Herzchirurgen auch in minimal-invasiven Operationstechniken.

Der interventionelle Aortenklappenersatz mittels Katheterverfahren (TAVI) wird zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Indikation ist anerkannt bei multimorbiden und älteren Risikopatienten. Eine Indikationsausweitung ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht empfehlenswert, dennoch sind an anderen Orten Tendenzen im Sinne einer Ausweitung der Patientengruppe auf jüngere, gesündere Patienten zu beobachten. Angesichts der engen Zusammenarbeit ist eine kompetitive Partnerschaft von Kardiologie und Herzchirurgie anzustreben, wie sie am Inselspital seit Jahren gepflegt wird. Neben neuen Perspektiven für die Behandlung ergeben sich mit fortschreitender Entwicklung dieses Fachgebietes aber auch Fragen nach den biologischen und ethischen Grenzen des medizinisch Machbaren.

Die Gefässchirurgie hat sich aus einer klassischen chirurgischen Disziplin weiterentwickelt. Zusammen mit endovaskulären Interventionen und der konservativen Behandlung hat sich richtiggehend eine Gefässmedizin etabliert. Die Gefässchirurgie am Inselspital stellt sich diesen Herausforderungen und der technischen Entwicklung. Interventionelle Techniken werden besonders wichtig im Rahmen von Kombinationseingriffen, bei denen neben chirurgischen Verfahren auch endovaskuläre Methoden zum Einsatz kommen. Die Gefässchirurgie wird kooperativ mit den anderen Disziplinen der Gefässmedizin im Sinn eines Gefässzentrums zusammenarbeiten.

Die Gefässchirurgie am Inselspital führt auch verschiedene hochspezielle Eingriffe durch, die nur an einem Spital bzw. zwei Spitälern in der Schweiz angeboten werden, so etwa die chirurgische Versorgung von thorako-abdominalen Aneurysmen. Während dieser sehr aufwendigen Zwei-Höhlen-Eingriffe hier in Bern wird die Funktion des Rückenmarkes mittels sog. motorisch-evozierter Potentiale telemedizinisch extern in Maastricht überwacht.
Die Universitätsklinik für Herz- und Gefässchirurgie am Inselspital hat seit über eineinhalb Jahrzehnten die grosse Mehrheit aller Herz- und Gefässchirurgen in der Schweiz ausgebildet. Gegenwärtig finden Diskussionen zum Thema der hochspezialisierten Medizin statt und es besteht Konsens, dass seltene Eingriffe an wenigen Zentren konzentriert werden müssen. Die Diskussionen über dieses Thema sind sehr lebhaft und werden auch im Hinblick auf die Spitalfinanzierung mit fallpauschalierter Abrechnung sicher Bewegung in die Spitallandschaft der Zukunft bringen.